Erfahrungen mit den veränderten Blockpraktika

 

Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen nutzen die Erfahrungen des ersten Blockpraktikums für eine veränderte Berufs- oder Branchenwahl im zweiten Blockpraktikum, die zunächst "typischen" Berufswünsche (KFZ-Mechatroniker bei Schülern, Erzieherin/ Arzthelferin bei Schülerinnen) wurden zugunsten individuellerer Diversifikation verändert.

 

Irritation entstand v.a. bei den beteiligten 10. Klassen, die zwar ihre zusätzliche Praktikumswoche gerne nutzten, sie allerdings nicht als Bestandteil eines "runden" Modells wahrnehmen konnten; dies wird erst im kommenden Schuljahr eintreten, wenn die erste Jahrgangsstufe das neue Modell einmal vollständig durchlaufen haben wird.

 

Erprobung regelmäßiger, wöchentlicher Praxistage in einer 8. Klasse

(April-Juni 2004)

 

Die Erprobung machte neben eines insgesamt sehr positiven Verlaufs auch deutlich, dass die beteiligten Mädchen und Jungen den Start in zuvor unbekannten Betrieben ohne den gewohnten Klassenzusammenhang und vorangegangene Praktikumserfahrung mehrheitlich als abrupt und damit als verunsichernd erlebten. Ihre Hemmschwelle, Kontakt aufzunehmen, sich unbekannten Situationen, Personen und Arbeitsumgebungen auszusetzen, kann durch vorangehende intensive Beschäftigung mit Berufsbildern, Betrieben und betrieblichen Strukturen gesenkt werden.

 

Mit dem Start in die Praxistage durch eine geblockte Form in festgelegten Branchen und in Schülergruppen wird diese Vorbereitung zukünftig praxisnah erfolgen. So werden gleichzeitig die Chancen deutlich erhöht, dass die Schülerinnen und Schüler die Praxistage als Bereicherung ihrer individuellen Berufsvorbereitung und nicht als bedrohlichen "Einbruch" der Arbeitswelt in den "geschützten" Schulalltag wahrnehmen. Hierzu kann auch zurückgegriffen werden auf Erfahrungen mit der besonderen Projektwoche im Oktober 2003, während der die drei 8. Klassen eine so genannte "Kick-Off-Woche Berufsorientierung mit dem Schwerpunkt Metall" erlebten.

 

Die Transparenz der Bewertungskriterien und die direkten Rückmeldungen der Betriebe gegenüber den Schüler/innen bedeutete für diese auch, dass sie selbst unmittelbar dazu Stellung nehmen konnten. Die beteiligten Betriebe haben in dem "Testlauf" trotz anfänglicher Skepsis diese Bewertungen mit sehr wenigen Außnahmen regelmäßig abgegeben und sie z.T. auch als Anlass betrachtet, mit den Schüler/innen über den Verlauf des jeweiligen Tages im Gespräch zu bleiben. Die Erziehungsberechtigten zeichneten die Leistungsbeurteilungen durch die Betriebe ebenso gegen wie ihre Kinder. Sie erhielten so auch zeitnah eine Rückmeldung über die Verlässlichkeit ihres Sohns/ ihrer Tochter und deren Leistungen im Betrieb.

 

Als problematisch stellte sich während der Erprobungsphase der hohe Zeitaufwand für eine angemessene Nachbereitung der Erfahrungen im Unterricht dar, der zumindest zeitweilig dazu führte, dass z.B. das Fach "AW" vollständig für diese Nachbereitung verwendet werden musste. Auch die nicht ganz eindeutige Zuordnung der Verantwortlichkeiten (wer ist Ansprechpartner für die Schüler/innen, kontrolliert die Qualifizierungs-Pässe, bzw. bearbeitet sie in seinem Unterricht - der AW-Lehrer, der Klassenlehrer oder doch die Projektmitarbeiter) hatte Verunsicherungen zur Folge und muss bei den nächsten Umsetzungsschritten unbedingt konsequenter verfolgt werden.

 

Schlussfolgerungen

 

Als Herausforderung stellte sich der hohe Zeitbedarf für die Akquise der "Praxisbetriebe" durch den zusätzlichen Erläuterungsbedarf des neuen Modells im Vergleich zu auch für die Betriebe "gewohnteren" Strukturen dar. Hier werden die zusätzlichen personellen Ressourcen der Projektmitarbeiter dringend benötigt, um einen "Pool" an Praxisstellen zu schaffen, denen das Modell zunehmend geläufiger wird, so dass langfristig die Schule diesen Aufwand verkraften kann.

 

Da zukünftig die Klassenlehrer/innen die Betreuung der Praxisanteile verantwortlich übernehmen werden, ist sicher eine einführende Schulung der Lehrkräfte durch die bisher involvierten AWT-Fachlehrer/innen notwendig. Weiterhin bedeutet die signifikante Erhöhung der Praxisanteile, dass die Akquise nicht mehr, wie bisher an der Schule üblich, auf den Schultern eines einzelnen Lehrers liegen kann. Im Zuge einer Neuorganisation und einer besseren Vernetzung mit Hilfe einer EDV-gestützten Datenbank soll hier ein angemessenes und einfaches Verfahren geschaffen werden.

 

Die umfassendere Einführung der Praxistage mit dem Schuljahr 2004/05 bedeutet z.B. durch die ganztägige Einbindung der Schüler/innen in die Betriebe starke Veränderungen der schulischen Abläufe und erfordert damit eine frühzeitige und umfassende Information der Erziehungsberechtigten. Die beteiligten Erziehungsberechtigten der Klasse des "Testlaufs" sind im Vorfeld umfassend über Inhalt, Ablauf und Auswirkungen dieser neuen Form einer Schulveranstaltung informiert worden; Gleiches wird zukünftig für die Ausweitung der Praxistage erfolgen.


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