aktiv… gegen Schulverweigerung
Erfolgreicher Verlauf der Fachtagung Schulabsentismus
Wir müssen handeln, aber vorher genau hinsehen
Braunschweig. 18.05.2006. Schulabsentismus, also das systematische Fernbleiben vom Unterricht und nachhaltig wirksame Abwehrstrategien, thematisierte die vom Projekt aktiv…, der projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH und der Volkshochschule Braunschweig GmbH, initiierte Fachtagung am 18. Mai 2006. Mit über 150 Experten aus Schulen, Jugendhilfe und Eltern übertraf die Teilnehmerzahl die Erwartungen der Veranstalter bei weitem und dokumentiert, wie groß der Gesprächs- und Informationsbedarf zu diesem Thema ist. Aufgrund der hohen Beteiligung fanden der Auftakt der Veranstaltung mit dem Referat „Schulabsentismus als pädagogische Herausforderung“ von Dr. Heinrich Ricking (Uni Oldenburg) sowie die Fachgesprächsrunde und das Abschlussplenum in der St. Andreas-Kirche statt. In den drei anschließenden Workshops in den Räumen der Volkshochschule wurde das Thema unter verschiedenen Aspekten beleuchtet und von den Teilnehmern bearbeitet.
Dr. Heinrich Ricking erläuterte in seinem Vortrag, dass es für das Fernbleiben vom Unterricht vielfältige Gründe gibt, die ein genaues Hinsehen bei Eltern und Lehrern erforderlich machen. Für die überwiegende Mehrzahl der Schulverweigerer jedoch repräsentieren Schule und Unterricht belastende Situationen, die zum einen Unsicherheit und Versagen, zum anderen Sinnlosigkeit der von den eignen Lebensbezügen weit abgehobenen Lerninhalte vermitteln. Während durch die Schulverweigerung kurzfristig Entlastung eintritt, so Ricking, wird das Wissen um Folgeprobleme als geringeres Übel billigend in Kauf genommen: Lange Fehlzeiten bis zum „Drop out“ können sich auf diese Weise entwickeln.
Wie aber reagieren die betroffenen Lehrer und Lehrerinnen und die Schulsozialarbeit beim Erkennen der ersten Anzeichen von Schulmüdigkeit? Welche Erfahrungen liegen überhaupt vor und welche Hilfeangebote stehen ihnen zur Verfügung? Unter der Leitung von Ullrich Rohde vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft erarbeitete und diskutierte eine Arbeitsgruppe unter anderem Lösungswege für die betroffenen Akteure in den Bildungseinrichtungen und zeigte Alternativen zu den üblichen Zwangsmaßnahmen auf, ohne diese aber gänzlich auszuschließen.
Das Projekt „Coole Schule: Lust statt Frust am Lernen“, das an der Berliner Jean-Piaget-Schule erfolgreiche Akzente setzt, war Diskussionsgegenstand der von Ute Koopmann, Volkshochschule Braunschweig, moderierten Arbeitgruppe. Das Projekt „Coole Schule“ setzt auf die Kooperation und Netzwerken von Schulen, Jugendhilfe und Bildungsträgern. Im Mittelpunkt der Diskussion stand hier die Frage, welche Faktoren für das Gelingen der Kooperationen maßgeblich sind und welche Rolle die dabei zu entwickelnden Netzwerke spielen.
Die dritte Arbeitsgruppe wurde unter der Überschrift „Wege aus dem Abseits - Alternative Beschulungsformen für schulferne Jugendliche“ eingeleitet: Kann ein außerschulischer Lernort ein Weg zurück für Schülerinnen und Schüler sein? Neben der Darstellung der unterschiedlichen Wege in Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg wurde in dem Workshop über ihre Umsetzbarkeit in anderen Teilen der Region dis-kutiert. Die Leitung hatte Hansi Volkmann vom Deutschen Gewerkschaftsbund Region Südostniedersachen.
Eine abschließende Diskussionsrunde verdeutlichte, wie wichtig es ist, bei Fällen von Schulabsentismus sofort hinzuschauen und umgehend das Gespräch mit dem Schülern, Schülerinnen und den Eltern zu suchen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen äußerten als eine Konsequenz der Tagung den Wunsch, begleitende Gesprächskrei-se mit der Jugendhilfe, den Beratungsstellen und Schulen unterhalb der Leitungsebene zu installieren. Die auf der Veranstaltung zusammengetragenen Erfahrungen zeigen, dass solche Netzwerke erfolgreich Schulverweigerern eine Perspektive zur Rückkehr in die Schule ermöglichen. Das in der Gesellschaft mit seinen fatalen Folgeerscheinungen häufig noch immer unterschätzte Thema „Schulabsentismus“ bildet künftig im Fortbildungsprogramm für Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen einen festen Bestandteil der AKADEMIE Schule und Wirtschaft, teilte Ulrich Rode vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft gGmbH als eine Erkenntnis mit.
gsc















