„Lernen will gelernt sein“ –
Fachtag diskutierte Modelle der Kompetenzförderung in Förderschulen
Hier finden Sie Bilder des Fachtages
Der Vormittag Der Nachmittag Workshop1 Workshop2 Workshop3
BRAUNSCHWEIG. Neue Anforderungen erfordern neue Methoden: Praxisorientiertes Lernen als entscheidende Grundlage zur Wissensvermittlung und Kompetenzförderung an Förderschulen stand am 17. Juli im Mittelpunkt des Projekt aktiv… Fachtages. Diese Veranstaltung setzte die Reihe der Fachtagungen des bei der projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH angesiedelten Teilprojekts aktiv… an Haupt- und Förderschulen diesmal mit dem Partner Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Braunschweig e.V. (AWO) fort. Mit einem Tag der Offenen Tür an der Astrid-Lindgren-Schule (ALS) sowie der Fortsetzung der Veranstaltung mit einem Referat von Professor Dr. Arnulf Bojanowski, Institut für Berufspädagogik an der Universität Hannover, und anschließenden Workshops wurden Modelle der Kompetenzförderung an Förderschulen in Theorie und Praxis diskutiert.
Am Beginn des Tages stand die Praxis: In der Braunschweiger Astrid-Lindgren-Schule Förderschule mit Förderschwerpunkt Lernen, einer Partnerschule des Projekt aktiv…, gab es einen Einblick in die Funktionsweise des Oberstufenbandes, das der systematischen Förderung von Schlüsselkompetenzen im Schulalltag dient. Nach der Begrüßung durch Doris Haucke, Rektorin der ALS und Walter-J. Hermann. Landesschulbehörde – Abteilung Braunschweig, führten Angela Plentz, AWO, und die Fachberaterin Oberstufenband, Hella Böger, ALS, in das Oberstufenband ein. An der Schule wurden Stationen mit berufsnahen Anforderungen eingerichtet, in denen fächerübergreifend und handlungsorientiert gelernt wird. Im weiteren Verlauf hospitierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils im halbstündigen Wechsel in den Stationen.
Rifat Fersahoglu-Weber, Geschäftsführer der AWO, begrüßte zur Fortsetzung der Tagung im DGB-Gewerkschaftshaus am Nachmittag 120 Interessierte aus Schulen und Bildungseinrichtungen aus Niedersachsen und darüber hinaus. Ein erfolgreicher Übergang von Schule in die berufliche Ausbildung und Arbeitswelt sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte der AWO-Geschäftsführer. Kompetenzförderung beginne bereits in den Kindertagestätten und durchziehe alle Bildungsbereiche, Chancengerechtigkeit zur Bildung sei das Tor zur Zivilgesellschaft, deshalb engagiere sich die AWO Braunschweig in dem Projekt, so Fersahoglu-Weber..
Michael Siano, projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH, moderierte die Talkrunde, in der Projektaktivitäten erläutert wurden. Der Ansatz von aktiv…, mit außerschulischen Kompetenztrainern in Schulen zu arbeiten, sei in dieser Intensität einmalig im gesamten ehemaligen Regierungsbezirk, betonte Walter-J. Hermann. Es wurden dabei Ergebnisse erarbeitet, von denen andere Schulen zukünftig profitieren könnten. Die Verantwortung liege nun bei den Schulen selber, mit diesen Erfahrungen weiterzuarbeiten. Auch Dieter Hillert, Bereichsmanager Jugend- und Erziehungshilfe der AWO, forderte dazu auf, die Erfahrungen aus der zu Ende gehenden Projektarbeit auf andere Schulen als Querschnittsaufgabe zu transferieren. Doris Haucke und Hella Böger schilderten gewonnene Erfahrungen aus dem Projekt. Das Besondere sei der Praxisbezug, beispielsweise mit einer Cafeteria, die an der ALS von Schülerinnen und Schülern betrieben wird. Gemeinsames Anliegen der Partner sei es, so aktiv…-Projektkoordinator Günter Schwardt-Christen, projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH, die gewonnen Erfahrungen nachhaltig für die Region zu sichern.
Einen grundlegenden theoretischen Impuls brachte Professor Dr. Bojanowski mit seinem Vortrag „Die Bedeutung praxisorientierten Lernens in der Schule für die Förderung von Kompetenzen“. Nicht zuletzt aufgrund von gesellschaftlichen und schulischen Krisen, wie es zuletzt die PISA-Studie verdeutlicht habe, sei das Thema Kompetenzförderung in den Mittelpunkt der Bildungsdebatte gerückt. In einigen europäischen Ländern, etwa in Skandinavien, seien neue Ansätze längst weit in den Schulalltag eingedrungen, während in Deutschland insbesondere „politische Kurzatmigkeit“ mögliche Fortschritte erschwere. Dennoch gibt es, so der Wissenschaftler, zunehmend auch in Deutschland einen „breiten Strom des praktischen und praxisorientierten Lernens“. Drei Beispiele, die derzeit in mehreren Bundesländern umgesetzt werden, stellte Bojanowski ausführlicher vor: das Konzept „Produktives Lernen“ (IPLE), das in Hessen umgesetzte Konzept „SchuB“ (Verbindung von Schule und Betrieb) sowie die aus Dänemark stammende „Produktionsschule“. Praxisorientiertes Lernen verändere nicht nur die Schüler, indem es letztlich zu einer verbesserten Lebenskompetenz führe, sondern habe genauso Auswirkungen auf die schulpädagogischen Professionellen. Diese Auswirkungen formulierte Bojanowski anhand von Fragen: Wie verträgt sich praxisorientiertes Lernen mit dem klassischen schulförmigen Lernen? Wie gelingt der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern angesichts des weiter bestehenden Beurteilungszwangs? Wie verträgt sich die Rolle der eigenen Fachlichkeit mit der Freiheit zunehmender Eigendynamik in der Schülerkooperation? Schließlich: Wie kann Schulpädagogik mit der empfundenen „Kränkung“ praxisorientierten Lernens umgehen? Als Dilemma empfindet der Wissenschaftler die fehlende Vorbereitung der Pädagogen auf solche Herausforderungen. Die Defizite beginnen bereits in der Lehrerausbildung. Bojanowski abschließend: „Wir haben leider in Deutschland 30 Jahre verschlafen“.
Anschließend gab es drei Workshops zu unterschiedlichen Möglichkeiten der Kompetenzförderung. Ingolf Weymann, Konrektor der ALS, Angela Plentz und Hella Böger stellten Prinzipien und Wirkungsweise des Oberstufenbandes vor. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutierten sie die Umsetzungsmöglichkeiten an ihren eigenen Schulen.
Als weiteres Beispiel wurden Schülerfirmen vorgestellt, die in der Arbeitsweise dem Oberstufenband vergleichbar sind, sich aber durch ihre Strukturen unterscheiden. Ronald Geyer, Koordinator für nachhaltige Schülerfirmen in der Landeschulbehörde Braunschweig und Susanne Wackerhahn von der Schülerfirma „Mister Apple“ der Hans-Christian-Andersen Schule Stadthagen berichteten von Möglichkeiten und Grenzen dieser Methode. Geyer sagt: „Richtig spannend ist es, wenn Fehler passieren und die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler an ihre Grenzen stößt.“ Grenzen des pädagogischen Steuerns gelte es umgekehrt für die begleitenden Lehrkräfte zu wahren, wenn durch die Eigenverantwortung der Schüler Kompetenzen gestärkt würden.
Im dritten Workshop stellte Marlies Silkenbeumer, Bezirksregierung Arnsberg, das nordrhein-westfälische Kompetenzmodell „Lehren und Lernen für die Zukunft“ vor. Dieses Modell verbessert die Lernkompetenz nachhaltig insbesondere durch Entwicklung von Methoden-, Gesprächs- und Kooperationskompetenzen. Über die Verbesserung der Lernkompetenz gewinnen, so Silkenbauemer, Schülerinnen und Schüler Handlungskompetenz und damit letztlich mehr Lebenskompetenz. In Nordrhein-Westfalen ist dieses Programm fest etabliert. „Es ist in seiner Anlage besonders für Förderschulen geeignet“, betonte Silkenbeumer.
Ganz soweit ist man in Niedersachsen noch nicht, berichtete Silke Klaproth-Morrison, Pestalozzischule Salzgitter. Ziel des Landes sei es, ein ähnliches Programm flächendeckend einzuführen. Die ersten 36 Fachtrainer sind bereits ausgebildet und gegenwärtig komplett ausgebucht. Die Ausbildung weiterer Trainer wird derzeit vorbereitet. Gute Perspektiven für die Kompetenzförderung zeichnen sich also auch in Niedersachsen ab, denn „Lernen will schließlich gelernt sein“.
Als weitere Ergebnisse sind festzuhalten:
- Es besteht ein Bedarf an der Gründung von Schülerfirmen, deshalb wird es im September einen Crash-Kurs geben, damit diese noch im Schuljahr 2006/2007 starten können. Interessierte wenden sich bitte an Herrn Geyer Reisewind(at)aol.com
- Mit der Fachberaterin des Oberstufenbandes, Hella Böger, wurde verabredet, dass sich Schulen, die an einer Übernahme des Oberstufenbandes oder von Teilbereichen interessiert sind, im neuen Schuljahr regelmäßig treffen und dadurch von den Erfahrungen des Kollegiums der ALS profitieren. Über info(at)projektaktiv.de
Fachtag
Das war der Fachtag
17. Juli 2006, Braunschweig
Modelle der Kompetenzförderung in Förderschulen
- curriculare Veränderungen zur Verstärkung von praxisorientiertem Lernen
09:00 - 12:30 Uhr
Tag der offenen Tür an der Astrid-Lindgren-Schule
Isoldestr. 60, 38106 Braunschweig
mit Einführung in das Oberstufenband
mit Möglichkeit der Hospitation für 40 Teilnehmer
13:30 - 18:00 Uhr
im DGB Gewerkschaftshaus,
Wilhelmstr. 5, 38100 Braunschweig
(hier bestand keine Teilnehmerbegrenzung)
aktiv… gegen Schulverweigerung
Erfolgreicher Verlauf der Fachtagung Schulabsentismus
Wir müssen handeln, aber vorher genau hinsehen
Braunschweig. 18.05.2006. Schulabsentismus, also das systematische Fernbleiben vom Unterricht und nachhaltig wirksame Abwehrstrategien, thematisierte die vom Projekt aktiv…, der projekt REGION BRAUNSCHWEIG GMBH und der Volkshochschule Braunschweig GmbH, initiierte Fachtagung am 18. Mai 2006. Mit über 150 Experten aus Schulen, Jugendhilfe und Eltern übertraf die Teilnehmerzahl die Erwartungen der Veranstalter bei weitem und dokumentiert, wie groß der Gesprächs- und Informationsbedarf zu diesem Thema ist. Aufgrund der hohen Beteiligung fanden der Auftakt der Veranstaltung mit dem Referat „Schulabsentismus als pädagogische Herausforderung“ von Dr. Heinrich Ricking (Uni Oldenburg) sowie die Fachgesprächsrunde und das Abschlussplenum in der St. Andreas-Kirche statt. In den drei anschließenden Workshops in den Räumen der Volkshochschule wurde das Thema unter verschiedenen Aspekten beleuchtet und von den Teilnehmern bearbeitet.
Dr. Heinrich Ricking erläuterte in seinem Vortrag, dass es für das Fernbleiben vom Unterricht vielfältige Gründe gibt, die ein genaues Hinsehen bei Eltern und Lehrern erforderlich machen. Für die überwiegende Mehrzahl der Schulverweigerer jedoch repräsentieren Schule und Unterricht belastende Situationen, die zum einen Unsicherheit und Versagen, zum anderen Sinnlosigkeit der von den eignen Lebensbezügen weit abgehobenen Lerninhalte vermitteln. Während durch die Schulverweigerung kurzfristig Entlastung eintritt, so Ricking, wird das Wissen um Folgeprobleme als geringeres Übel billigend in Kauf genommen: Lange Fehlzeiten bis zum „Drop out“ können sich auf diese Weise entwickeln.
Wie aber reagieren die betroffenen Lehrer und Lehrerinnen und die Schulsozialarbeit beim Erkennen der ersten Anzeichen von Schulmüdigkeit? Welche Erfahrungen liegen überhaupt vor und welche Hilfeangebote stehen ihnen zur Verfügung? Unter der Leitung von Ullrich Rohde vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft erarbeitete und diskutierte eine Arbeitsgruppe unter anderem Lösungswege für die betroffenen Akteure in den Bildungseinrichtungen und zeigte Alternativen zu den üblichen Zwangsmaßnahmen auf, ohne diese aber gänzlich auszuschließen.
Das Projekt „Coole Schule: Lust statt Frust am Lernen“, das an der Berliner Jean-Piaget-Schule erfolgreiche Akzente setzt, war Diskussionsgegenstand der von Ute Koopmann, Volkshochschule Braunschweig, moderierten Arbeitgruppe. Das Projekt „Coole Schule“ setzt auf die Kooperation und Netzwerken von Schulen, Jugendhilfe und Bildungsträgern. Im Mittelpunkt der Diskussion stand hier die Frage, welche Faktoren für das Gelingen der Kooperationen maßgeblich sind und welche Rolle die dabei zu entwickelnden Netzwerke spielen.
Die dritte Arbeitsgruppe wurde unter der Überschrift „Wege aus dem Abseits - Alternative Beschulungsformen für schulferne Jugendliche“ eingeleitet: Kann ein außerschulischer Lernort ein Weg zurück für Schülerinnen und Schüler sein? Neben der Darstellung der unterschiedlichen Wege in Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg wurde in dem Workshop über ihre Umsetzbarkeit in anderen Teilen der Region dis-kutiert. Die Leitung hatte Hansi Volkmann vom Deutschen Gewerkschaftsbund Region Südostniedersachen.
Eine abschließende Diskussionsrunde verdeutlichte, wie wichtig es ist, bei Fällen von Schulabsentismus sofort hinzuschauen und umgehend das Gespräch mit dem Schülern, Schülerinnen und den Eltern zu suchen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen äußerten als eine Konsequenz der Tagung den Wunsch, begleitende Gesprächskrei-se mit der Jugendhilfe, den Beratungsstellen und Schulen unterhalb der Leitungsebene zu installieren. Die auf der Veranstaltung zusammengetragenen Erfahrungen zeigen, dass solche Netzwerke erfolgreich Schulverweigerern eine Perspektive zur Rückkehr in die Schule ermöglichen. Das in der Gesellschaft mit seinen fatalen Folgeerscheinungen häufig noch immer unterschätzte Thema „Schulabsentismus“ bildet künftig im Fortbildungsprogramm für Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen einen festen Bestandteil der AKADEMIE Schule und Wirtschaft, teilte Ulrich Rode vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft gGmbH als eine Erkenntnis mit.
gsc
Und so fing das Projekt 2003 an:
aktiv... an Haupt- und Förderschulen in Braunschweig, Salzgitter und Schöningen
Schöningen. 29. April 2003
Das Projekt aktiv wurde im Rahmen des lokalen Bündnis für Arbeit durch den Arbeitgeberverband und die Gewerkschaften initiiert. Die Auftaktveranstaltung fand am 29. April 2003 unter Beteiligung des niedersächsischen Kultusministers Bernd Busemann statt.
aktiv... ist der Titel eines 3-jährigen Verbundprojektes, das seinen Schwerpunkt am Lernort Schule hat. Durch Sozialkompetenztraining und Berufsorientierung ab Klasse 7 sollen die Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen verbessert und sie in Ausbildung, Arbeit oder Berufsbildender Schule begleitet werden. Damit einher geht eine engere Verzahnung der Schule mit Handwerksbetrieben sowie Unternehmen aus Handel, Dienstleistung und Industrie. Entsprechend wurden drei wirtschaftsnahe Bildungsträger sowie ein Wohlfahrtsverband, der selbst Schulträger ist, als Kooperationspartner ausgewählt: Ausbildungswerkstatt Braunschweig e.V.; AWO Bezirksverband Braunschweig e.V.; Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft gGmbH; Volkshochschule Braunschweig gGmbH. Die Koordination des Projekts liegt bei reson.
Je ein Projektpartner unterstützt mit einem Motivationscoach und einem Qualifizierungslotsen eine Schule. Qualifizierungslotse und Motivationscoach unterstützen Jugendliche durch den Einsatz von individuellen Förderplänen, Berufswahlpass oder die Vermittlung berufspraktischer Grundlagen, um eine ihren Fähigkeiten entsprechende und tragfähige Entscheidung für eine qualifizierte Ausbildung, Arbeit oder einen weiteren Schulbesuch zu treffen.
Das Projekt beinhaltet auch eine Veränderung der schulischen Curricula. So sollen die Schüler und Schülerinnen im Rahmen einer Ideenwerkstatt in die Projektentwicklung einbezogen werden und/oder in einer Schülerfirma fächerübergreifendes Handeln erlernen. Eine andere Elternarbeit wird angestrebt, z.B. durch die Veranstaltungsreihe „Eltern zeigen, was sie können". Freizeit- bzw. erlebnispädagogische Bausteine, auch während der Ferien, runden die neuen curricularen Angebote ab.
Beteiligte Schulen sind: Astrid-Lindgren-Schule, Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen, Braunschweig; Eichendorffschule, Hauptschule, Schöningen; Grund- und Hauptschule Sophienstraße, Braunschweig; Hauptschule Salzgitter Bad, Salzgitter





















